Es gibt diese Tage, die jeder kennt. Auch ich.
Diese regnerischen Tage, an denen Tropfen nicht nur die Fenster hinunterlaufen. An denen nicht nur der Himmel grau ist und sich nicht nur der Wind gegen einen richtet. Diese Tage, an denen scheinbar nichts funktioniert. Schon gar nicht die eigene Zuversicht.
So ein Tag ist heute. Ohne Grund und schon gar nicht auf eine Einladung. Dennoch ist er da und am liebsten würde ich mir eine Decke über den Kopf ziehen und einfach nur dasitzen. Denke ich mir.
Stattdessen nehme ich, um mich abzulenken, das Handy in die Hand, was dümmer nicht sein kann und auch direkt bestraft wird. Denn das Erste, was ich sehe, sind Nachrichten von Kollegen. Im Netz. Berichte über Erfolge, Konferenzen, großen Ereignissen, glorreichen Taten und neuen Coaching-Kommunikations-Lebensmodellen, die die Welt ihrer Kunden positiv veränderten. Und ihre eigene gleich mit. Meine nicht. Was ich oft bezweifelnd zur Kenntnis nehme, lässt mich an diesen Tagen selbst zweifeln. Lässt mich vieles in Frage stellen. Nicht die Nachrichten im Netz. Meinen Beruf. Mich.
Ich schalte ab. Lege das Handy weg. Nicht das Grübeln. Das begleitet mich an diesem Tag. Bis zu dem Moment der eingehenden E-Mail eines langjährigen Kunden, der um ein dringendes Gespräch bittet. „Kurz, aber wichtig", schreibt er, und ich frage mich, ob das der richtige Tag für ein Gespräch ist. Was er war. Der Tag und das Gespräch, das kurz, aber wichtig war. Für ihn.
Wir telefonieren. Er erzählt, was ihn beschäftigt. Eine Entscheidung, die er heute noch zu treffen hat. Sie schon getroffen, sie nur noch nicht ausgesprochen hat. Für sich. Das spüre ich und höre zu. Wir denken nach. Er spricht sie aus. Dann bedankt er sich. Nicht für einen Rat. Für das Gespräch.
Und ich bedanke mich für das, was nicht im Netz steht. Dass es Modelle und Systeme gibt, die auch ich nutze, aber nur selten brauche. Weil es die Menschen gibt, die in Momenten etwas anderes brauchen. Wie dieser Mensch. An diesem Tag. Ein Gespräch. Meistens länger. Diesmal kurz, aber wichtig. Auch für mich.
P.S. Plötzlich kommt die Sonne raus. „Endlich“, denke ich und finde in meinen Fotos ein Bild aus Köln. Der „Mann auf dem Balkon" am Brüsseler Platz. Eine Installation des Streetart-Künstlers Mark Jenkins, mit einer ins Gesicht gezogenen Kapuze. Einfach dasitzend. Passend.